Machtkritische und postkoloniale Perspektiven auf Konfliktbearbeitung

Die Bedeutung von Konfliktsensibilität in der Friedensarbeit und Zivilen Konfliktbearbeitung wird durch den Qualitätsstandard "Do No Harm" in der Praxis umgesetzt. Konfliktsensibilität erfordert ein Bewusstsein für die Auswirkungen eigener Interventionen und den Einfluss auf die Konfliktdynamik. Machtungleichgewichte und Diskriminierung prägen soziale Interaktionen und führen dazu, dass marginalisierte Stimmen oft ungehört bleiben. Eine hegemonie(selbst)kritische und privilegienbewusste Haltung ist erforderlich, um bestehende Machtverhältnisse in Konfliktinterventionen zu reflektieren. Die Erweiterung von "Do No Harm" mit "HEADS UP" als Instrument für Hegemonie(selbst)kritik zielt darauf ab, koloniale Kontinuitäten und ihre Auswirkungen auf Konfliktinterventionen explizit zu machen. Konfliktsensibilität aus einer machtkritischen und postkolonialen Perspektive zielt darauf ab, die strukturelle Verstrickung in Gewaltverhältnisse zu reflektieren.

Veränderung anstoßen- Haltung entwickeln

Koloniale Kontinuitäten haben Einfluss auf dominierende Machtverhältnisse, die in alle Lebensbereiche reichen. Sie formen somit Strukturen, Haltungen und soziale Interaktionen. Post- und dekoloniale Ansätze zeigen auf, wie wirkmächtig das  ,koloniale Erbe´ bis in unsere Gegenwart ist. Auch das Feld der Friedensarbeit und zivilen Konfliktbearbeitung ist von kolonialen Kontinuitäten geprägt. Um Friedensarbeit zu verändern und rassismus- und machtkritisches Denken und Handeln in der zivilen Konfliktbearbeitung zu stärken, bedarf es daher einer selbstreflexiven Auseinandersetzung mit eigenen kolonialen Verstrickungen. Post- und dekoloniale Perspektiven können hierbei eine hilfreiche Brille sein, um gegenwärtige Konflikte (selbst-) kritisch zu analysieren und eine machtkritische Haltung zu entwickeln.

Den Krieg vom Frieden her denken. Einblick in das Ethik-in-der-Praxis Seminar

Mit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine haben Fragen rund um Krieg, Konflikt und Frieden neue Bedeutung erhalten. Daher war es Anliegen des Seminars „Den Krieg vom Frieden her denken“ im Wintersemester 2022/2023 mit Rückgriff auf politikwissenschaftliche und philosophische Texten einen differenzierteren Blick auf das Thema zu werfen: Welche Formen von Gewalt gibt es? Was unterscheidet Krieg von „slow violence“? Was ist echter Frieden? Ziel des Seminars war es, Studierenden ein Instrumentarium vorzustellen, das einen klareren Blick auf die komplexen Lagen von Krieg, Konflikt und Frieden ermöglicht.

Zwischen Fürsorge und Forschungszielen: Wie kann Forschung mit Kindern zu sensiblen Themenbereichen ethisch reflektiert werden?

Die wachsende Mediatisierung von Kindheit führt zur Verlagerung der kindlichen Erfahrungswelten ins Internet. Gleichzeitig sind Kinder oftmals allein und unbetreut im Internet unterwegs. Die Folge sind Sicherheitsgefährdungen, wie beispielsweise Cybermobbing, Cybergrooming, Desinformation oder Hass und Hetze, die Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen können. Wie aber kann Onlinekommunikation für Kinder durch Forschung sicherer und partizipativer ausgestaltet werden? Der Artikel gibt Einblicke, wie im Bereich der Sicherheitsforschung die Stärkung von Kinderrechten partizipativ ausgestaltet werden kann.

Der Ukrainekrieg auf TikTok – und die Gefahr von Deepfakes als Kriegswaffe

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung verändern sich auch Konfliktdynamiken und die Perspektiven auf Krieg. Dies gilt insbesondere für soziale Medien, die eine zentrale Rolle in der Kommunikation über Konflikte, aber auch als ein Ort der Austragung von Konflikten eingenommen haben. Diese Auswirkungen werden besonders seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine sichtbar: so spricht die New York Times beispielsweise vom ,TikTok Krieg´. Der Artikel wird erläutern, inwiefern der Ukrainekrieg auf TikTok die Gefahr für die Erstellung weiterer Deepfakes als Kriegswaffe erhöhen kann.

Tag der Kinderrechte: Sicherheit als Frage von Schutz, Befähigung und Beteiligung für Kinder in der digitalen Welt

Am 20. November ist Tag der Kinderrechte. Dieser geht auf den Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention im Jahr 1989 zurück. Die völkerrechtlich bindende und am häufigsten ratifizierte Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen garantiert Heranwachsenden gleichermaßen Schutz-, Beteiligungs- und Befähigungsrechte. Diese Rechte wurden im Zuge eines General Comment explizit auf digitale Welten ausgedehnt. Aktuell wird allerdings vermehrt von wachsenden Sicherheitsgefährdungen von Kindern im digitalen Raum berichtet. Doch wie können Kinderrechte in der Onlinekommunikation gestärkt werden?

Privilegienbewusstsein stärken für eine antirassistische Haltung

Durch soziale Bewegungen wie ,Black lives Matter´ (BLM), oder die Diskussion um die Feier des 200. Todestages von Napoleon in Frankreich finden Dekolonisierungsfragen im politischen Diskurs immer mehr Gehör. Bis heute sind Rassismus und Diskriminierung globaler Konfliktgegenstand, der ein System von Machtungleichgewichten aufrechterhält und reproduziert, wodurch die sozialen Hierarchien in unserer Welt bestimmt werden. Der Artikel beschreibt was Privilegienbewusstsein bedeutet, und inwiefern dies eine antirassistische Haltung stärken kann.

Post-Corona-Perspektive: Wie eine konstruktive Förderung von Mitgefühl auf individueller, gesellschaftlicher und institutioneller Ebene Friedensfähigkeiten stärken kann

Sozialer Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt bedürfen einerseits gerechter Strukturen, andererseits basaler prosozialer Einstellungen zwischen den Gesellschaftsmitgliedern. Diese lassen sich im Begriff des Mitgefühls theoretisch zusammenfassen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie verschärfen einhergehende gesellschaftlichen Spaltungen, welche sich im politischen Miteinander zeigen. Der folgende Beitrag widmet sich der Frage, wie Mitgefühl in dieses Spannungsfeld hineinpasst, und wie seine Berücksichtigung uns Impulse gibt, friedliche Post-Corona-Strukturen zu bauen, die ein ‚Gegeneinander ‘‘ abbauen und ein ,Füreinander‘ fördern.

Schaden Deepfakes (wirklich) der Demokratie? Warum die Debatte um Deepfakes in der Politik oft zu kurz greift

Deepfakes sind synthetische audio-visuelle Medien (also Bilder, Videos und Audiodateien), die häufig mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt werden. Mit dem Einsatz von Deepfakes sind zahlreiche Sorgen verbunden, insbesondere, dass sie als neue, gefährlichere Form von Fake News demokratische Prozesse und Institutionen untergraben könnten. Diese Sorgen sind durchaus berechtigt. Gleichzeitig vernachlässigt die Debatte erstens die große Gefahr von Deepfakes in einem ganz anderen Bereich, der Pornografie, und zweitens ihre zahlreichen legitimen und sogar demokratiefördernden Anwendungen.

Die politische Konstruktion von traumatischen Erinnerungen

In der aktuellen Lage des Lock Downs ist der Umgang mit den Auswirkungen der Beschränkungen, sowohl in privaten Gesprächen als auch in den Medien omnipräsent. Doch welche Erinnerungen dieser Zeit bleiben uns nach der Krise, und welchen Einfluss werden diese Erinnerungen auf unser zukünftiges Leben haben? Erleben Teile der Gesellschaft gerade durch diese Ausnahmesituation ein potentielles kollektives Trauma, das wir über Jahre erinnern und verarbeiten müssen?

Konstruktiver Umgang mit Konflikten in Zeiten von Corona. Tools und Impulse für eine gelingende Konflikttransformation

Dieser Artikel stellt Tools für einen konstruktiven Konfliktumgang in den eigenen „Vier Wänden“ bereit und bietet in drei Schritten Impulse für eine gelingende Konflikttransformation:

1.       Verstehen, welche Phasen ein Konflikt bis zur Eskalation durchläuft und wie der Konfliktzustand verändert werden kann

2.       Anwenden von sechs Schritten für einen konstruktiven Umgang mit Konflikten

3.       Bei Bedarf Nachlesen, was die Wissenschaft zu Konflikttransformation sagt